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Libanon

 

 

 

 




 

Bhibbak, ya Lubnan – ich liebe dich, oh Libanon – so singt es Fairuz, die berühmteste und beliebteste noch lebende arabische Sängerin. Und man muss ihr zustimmen. Kaum jemand kann sich dem Zauber des kleinen Landes am Mittelmeer widersetzen.

Hier trifft mediterranes Flair mit orientalischem Charme zusammen und ergibt eine einzigartige Symbiose. Von allen Ländern, die ich bisher berreist habe, ist der Libanon mein Traumland. Es gibt herrliche Strände, grüne Täler, schneebedeckte Berge, prachtvolle Zeugnisse vergangener Zeiten - kurz, alles was der Mensch sich wünschen kann. Dazu ist der Libanon das Land im Nahen Osten, das am westlichsten geprägt ist. Von der wunderschönen Landschaft her kann man meinen, hier das Paradies gefunden zu haben. Doch liegen Himmel und Hölle sehr eng beieinander.


Schuld daran ist zunächst einmal die geographische Lage. Die unzugänglichen Berge des Libanonmassives waren schon immer Rückzugsgebiete verschiedenster Stämme und religiöser Gruppierungen. So konnten Glaubensgemeinschaften überleben, die in anderen Teilen der Welt verfolgt wurden. Heute leben hier die muslimischen Schiiten und Sunniten, muslimische Sekten wie die Drusen und die Alawiten sowie zahlreiche christliche Gemeinschaften wie Maroniten, Katholiken und griechisch, syrisch und armenisch Orthodoxe. 17 Religionsgemeinschaften sind es insgesamt. Da sich diese Gruppen stark über ihre Religion identifizieren, sind Konflikte vorprogrammiert. 
Besonders im 20. Jahrhundert wurde der Libanon Spielball von Nationen wie Frankreich, USA, Saudi-Arabien, Iran, Syrien und Israel. Die Großmächte führten einen Stellvertreterkrieg auf libanesischem Boden, der das Land über Jahrzehnte hinweg heimsuchte. Dabei nutzten die Großmächte die bereits vorhandene Feindschaft der einzelnen religiösen Gruppen und arbeiteten mal mit dieser und mal mit jener Gemeinschaft zusammen. Kriegsverbrechen geschahen dabei von allen Seiten. Letztendlich wusste niemand mehr genau, wer eigentlich mit wem warum kämpfte und 1998 brach das Land schließlich wirtschaftlich völlig zusammen. Niemand hatte mehr die Kraft zu kämpfen. In den folgenden Jahren wurde der Libanon etwas wie das Amüsierviertel des Nahen Ostens. Die High Society Saudi-Arabiens, Syriens und der Emirate genossen das angenehme Klima und die offene Athmosphäre, in der Alkoholexzesse und das Feiern in großen Diskotheken einfach dazugehört. Im Herbst 2008 fand in Beirut beispielsweise eine große Auktion von einprägsamen Telefonnummern statt, für die die Millionäre und Milliadäre des Nahen Ostens gerne bis zu einer halben Million Euro ausgeben. 
Natürlich gibt es aber auch einen erheblichen Anteil armer Menschen. Diese sind zumeist Schiiten und leben in der Bekaebene, im Süden oder in Vororten der Hauptstadt Beiruts. Auch gibt es viele Palästinenser, die seit Jahrzehnten im Libanon in Lagern leben. Es ist ihnen verboten zu arbeiten und so ist Frustration vorprogrammiert. Spannungen gibt es zur Zeit besonders im Lager Nahr al-Barid im Norden des Libanon, ganz in der Nähe der Stadt Tripolis. Deswegen hat das auswärtige Amt eine Reisewarnung für die Gegend ausgesprochen. Gewarnt wird auch vor einem Besuch der südlichen Bekaebene und den Grenzgebieten zu Israel.

Dennoch ist es mir wichtig, den Libanon vorzustellen und aufmerksam zu machen auf ein Land, das fast nur durch Negativschlagzeilen bekannt ist, aber unglaublich viel zu bieten hat.

 

 


 

 

 

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